Die Geschichte der Erschließung hydrothermaler Energie im
Isartal
1992 - Think global, act local!
Die UNO-Konferenz in Rio de Janeiro verabschiedet das Konzept,
Ökonomie, Ökologie und Soziales in der Agenda 21 zu verbinden. In
lokalen, kommunalen Projekten sollen entsprechende nachhaltige Lösungen
entwickelt werden. In Pullach wird 2000 eine CO2-Studie in
Auftrag gegeben. Sie soll zu ökonomisch sinnvollen Maßnahmen führen,
durch die CO2 eingespart werden kann. Gleichzeitig sollen
wertvolle Ressourcen geschont werden und ein möglichst großer Teil der
Pullacher Bevölkerung davon profitieren. Die Studie ergibt einen
Hinweis auf die Nutzung von Wärme aus der Tiefe der Erde: Geothermie!
3. Mai 2001 - Ist Geothermie in Pullach machbar?
Die Gemeinde Pullach gibt eine weitere Studie in Auftrag, die
detailliert klären soll, ob die geologischen Voraussetzungen für die
Erschließung von Geothermie in Pullach gegeben sind und damit Erdwärme
eine Alternative zu den bisherigen Heizverfahren ist. Die Studie fällt
positiv aus.
23. Oktober 2001 - Ministerium genehmigt Erschließung
Das Bayrische Wirtschaftsministerium genehmigt den Antrag zur
Aufsuchung von Tiefen-Geothermie und weist ein entsprechendes
Erschließungsfeld zu. Finanzielle Tragfähigkeit ist von Anfang an
oberstes Gebot des Projekts. Vorhandene seismische Daten werden
überarbeitet und neu ausgewertet. Die Lage des Warmwasser führenden
Horizontes ist nun exakt bekannt. Die ursprünglich erwartete Temperatur
kann sogar nach oben korrigiert werden. Das zu fördernde Wasser hat
Thermalwasserqualitäten.
Dezember 2003 - Act local!
Neue Möglichkeiten der Projektförderung durch den Bund
bestärken den Gemeinderat, das Geothermie-Projekt zu verwirklichen. Die
Einsparung von 3.000 bis 4.000 Tonnen CO2 im Jahr erscheinen
möglich!
Schon die Auswahl des Bohrfeldes erfolgt unter dem Gesichtspunkt der
Verfügbarkeit und Nähe zu den Hauptabnehmern: das Gymnasium, das
Freizeitbad, diverse Wohnhäuser der Wohnungsbaugesellschaft in der
Hans-Kreis-Straße, Am Grundelberg und in der Vormbrock-Siedlung.
Gleichermaßen werden die Tagesheimschulen und das Kloster St. Gabriel
in die Planungen eingebunden.
19. August 2004 - Die Infokampagne rollt an
Pressekonferenz im Rathaus Pullach. Die Süddeutsche Zeitung
und der Münchner Merkur greifen das Thema Geothermie auf. Gleichzeitig
beginnt eine Informationskampagne zur Aufklärung der Bürger. Die
unmittelbaren Anlieger der Bohrstelle werden mit einer
Informationsbroschüre versorgt, die für alle anderen Bürger im Rathaus
ausliegt.
6. September 2004 - Das Bergamt Südbayern gibt grünes Licht
Die Ausschreibung und die Vertragsverhandlungen für das
Geothermie-Projekt sind erfolgreich abgeschlossen. Das Bergamt
Südbayern hat die Einrichtung des Bohrplatzes genehmigt. Heute wird mit
den Arbeiten begonnen. Der Bohrplatz wird vermessen, der Baugrund
untersucht. Außerdem wird geprüft, ob sich auf dem Grund noch
Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg finden. Gott sei Dank fällt diese
Untersuchung negativ aus, das heißt der Baugrund ist “kampfmittelfrei”.
Jetzt kann mit dem Abschieben des Oberbodens begonnen werden.
11. September 2004 - Die Bohranlage kommt
Die Bohranlage für die Standrohre wird angeliefert. Eine
Attraktion! Der Schwertransport ist 36 Meter lang und hat 14 lenkbare
Achsen!
Gesamtgewicht: 125 Tonnen. Eine Polizeieskorte sorgt für Sicherheit,
gefahren wird nachts, damit der Verkehr nicht unnötig behindert wird.
In einem Abstand von 7,5 Metern werden zwei Standrohre mit 45 bzw. 41
Metern gebohrt, verrohrt und zementiert.Durch diese Rohre werden die
eigentlichen Tiefenbohrungen durchgeführt. Die Standrohre dienen der
Abschottung des Grundwasserleiters gegen die Bohrungen.
Die Bohranlage wird nach Abschluss der Standrohrsetzung
wieder abgezogen.
18. und 20. September 2004 - Bürger fragen, Spezialisten
antworten
Auf dem Kirchplatz und im Bürgerhaus können sich Bürger aus
erster Hand bei Gemeiderat, Verwaltung und Fachplanern über das Projekt
Geothermie in Pullach informieren.
Wie funktioniert der Schallschutz? Welche Sicherheitsmaßnahmen sind am
Bohrplatz vorgesehen? Rechnet sich die Geothermie für Pullach? Wie wird
die Öffentlichkeit mit einbezogen? All diese Fragen finden Antworten.
15. bis 20. November 2004 - Rücksicht auf die Anwohner
Aus dem Boden entstehen Schallschutzwälle im Westen und im Süden. Im
Norden und im Osten des Bohrplatzes werden Schallschutzwände errichtet.
22. November 2004 - Die Bohranlage wird aufgebaut
Der Aufbau der Bohranlage beginnt. Sie heißt RIG 23, stammt
von der Firma ITAG aus Celle und kann 6.000 Meter tief bohren. In
Pullach muss sie sich voraussichtlich nur 3.300 Meter tief in die Erde
drehen. Hier liegt der Tiefengrundwasserleiter, der das heiße Wasser
führt. 65 LKWs und Schwertransporter liefern die Bohranlage und die für
die Bohrungen notwendige Ausrüstung. Der Bohrturm wird in Einzelteilen
angeliefert und horizontal montiert. Mit Seilwinden wird er schließlich
aufgerichtet. Das Ganze braucht nicht mehr als 15 Minuten. Der
"Pullacher Riese" mit seinem 56 Metern steht! Allein die Seilwinde des
Hebewerks, mit dem der Bohrmeißel sich ab jetzt in die Tiefe vorarbeiten
wird, wiegt 65 Tonnen. 2.000 PS beträgt die Antriebsleistung dieses
Hebewerks. Damit kann eine Zugkraft von 570 Tonnen erreicht werden. Das
ist notwendig, um den Bohrmeißel und das Kilometer lange Bohrgestänge
zu halten und wieder nach oben zu ziehen.
4. Dezember 2004 - Der Countdown läuft!
Bohrbeginn! 300 Gäste feiern dieses Ereignis, das durch eine
Segnung der Bohranlage durch den evanglischen und katholischen Pfarrer
eingeleitet wird! Eigens für Besucher wurde auch eine
Aussichtsplattform errichtet.
5. Dezember 2004 - Es wird gebohrt
Um die Mittagszeit nimmt die Bohranlage ihre Arbeit auf. Mit
einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Metern in der Stunde frisst
sich der Meißel nun vorwärts. Gebohrt wird nach dem sogenannten Top
Drive-Verfahren. Überraschenderweise trifft der Meißel in einer Tiefe
von 140 bis 190 Metern in den dort vorhandenen quarzigen Sanden auch
auf Steinkohle. 43 Tage lang wird nun gebohrt.
24. Januar 2005, 7.30 Uhr - Eine kleine Sensation
Die Endteufe der Bohrung Pullach Thermal 1 ist bei 3.300
Metern vor Plan erreicht. Erste Pumpversuche verzögern sich jedoch,
weil sich das Bohrgestänge festgefahren hat. Dann die aufregende, kaum
erhoffte Nachricht: die Temperatur beträgt 93,8°C! Das Wasser ist
angereichert mit Schwefel und Fluor, was Thermal- und Heilqualitäten
bedeutet. 30 Liter in der Sekunde werden nun hochgepumpt. Die
Temperatur bleibt beständig.
21. Februar 2005 - Bohrung 2
Der erste Bohrabschnitt der 2. Bohrung wird abgeteuft. Schnee
und Eis erschweren die Arbeiten. Ein Warmluftgebläse verhindert, dass
während der Zementation die Spülung in den Spülungspumpen gefriert. Der
zweite Bohrabschnitt verläuft vergleichsweise unspektakulär. Bei 4.172
Metern (MD), was 3443 Metern (TVD) entspricht, wird die Endteufe
erreicht und auch hier fließt reichlich 107°C heißes Wasser
11. April 2005 - Von der Erde in die Haushalte
Im Bürgerhaus informieren sich die privaten Eigentümer von
Grundstücken
an der Wurzelseppstraße, also aus dem Bereich des ersten
Bauabschnittes, über den Bau des Fernwärmenetzes und die Möglichkeiten,
sich an das Erwärmenetz anzuschließen.