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Freitag, 16.11.2018 - 13.50 Uhr Zurück zur News-Übersicht

Digitale Zukunftspläne in Pullach

  
Geballtes digitales Fachwissen: v.l.n.r. Tomas Menthe, Dr. Arwed Schmidt, Moderatorin Caroline Voit, Dr. Anna Christmann, Susanna Tausendfreund, Gilbert Hödl, Helmut Mangold

`Kommunale Daseinsvorsorge´ – mit diesem Begriff verbindet man traditionell gemeindliche Dienstleistungen wie Wasser- und Energieversorgung, Entsorgung oder auch öffentlichen Nahverkehr. Pullach jedoch denkt schon weit über diese klassischen Aufgaben hinaus. Über ihre einhundertprozentige Tochtergesellschaft Innovative Energie für Pullach (IEP) hat die Isartalgemeinde nicht nur eine hochmoderne geothermische Wärmeversorgung geschaffen, sondern plant auch eine umwelt- und klimafreundliche Stromversorgung und will nicht zuletzt auch im zukunftsträchtigen Bereich Digitalisierung vorne dabei sein. „IEP steht für erfolgreiche Geothermiewärme, aber das ist bei weitem nicht alles was sie kann“, so IEP-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Most.

Der Kongress `Kommunale Daseinsvorsorge im digitalen Wandel´ im Pullacher Bürgerhaus, veranstaltet von der IEP, zeigte die vielfältigen Chancen, die sich Kommunen, Privatleuten und Unternehmen in diesem Bereich bieten. Rund 150 Besucher informierten sich durch Kurzvorträge verschiedener Referenten und an Informationsständen über Themen wie die Stärkung des lokalen Handels durch Digitalisierung, fahrerlose Shuttlebusse, Carsharing, Smartphone-basierte Zugangssysteme oder auch LoRa-Netze.

Experimentierräume als Starthelfer

„Alexa, wie kann ich meine Stromrechnung um 15 Prozent senken?“ Mit dieser fiktiven Frage an die beliebte digitale Assistentin aus seinem Unternehmen wies Referent Thomas Menthe von Amazon Web-Services auf mehrere wichtige Aspekte des digitalen Wandels hin, zum Beispiel Kosteneinsparung, Nachhaltigkeit und mehr Effizienz auch bei „klassischen“ Techniken.

Digitalisierung ist jedoch nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch eine Frage der politischen Rahmenbedingungen und der Kultur einer Gesellschaft. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Anna Christmann, Sprecherin der Grünen für Innovations- und Technologiepolitik, forderte, die ökonomische Entwicklung des Sektors `Künstliche Intelligenz´ müsse sich die Ökologie als oberste Priorität setzen. Außerdem seien „Experimentierräume“ nötig, um neuen Entwicklungen einfache Startmöglichkeiten und kontinuierliche Verbesserung in der Praxis zu ermöglichen. Vor allem müssten Neuerungen „von Anfang an für die Nutzer hilfreich sein, um die notwendige Akzeptanz zu erreichen“, wie Dr. Arwed Schmidt vom Unternehmen Easy Miles mit Bezug auf fahrerlose Shuttlebusse verlangte.

Podiumsdiskussion: Großer Konsens zu Zukunftsfragen

In der Podiumsdiskussion nach den Experten-Statements, professionell moderiert von Gemeinderätin Caroline Voit, zeigten sich die Referenten – ergänzt durch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund und IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold – weitgehend einig über die Notwendigkeiten und Chancen, die der digitale Wandel für alle Beteiligten mit sich bringe. Tausendfreund sagte, Pullach würde sicher als Experimentierraum für einzelne Neuerungen geeignet sein und auch bereit stehen. Große Hoffnungen auf die Digitalisierung setze sie vor allem im Bereich der Mobilität. „Der Nutzen für die Gemeinde muss aber im Vordergrund stehen, es darf keine Technik zum Selbstzweck sein“, so Tausendfreund, „und alle technischen Angebote müssen einfach zu bedienen sein, um möglichst alle Menschen mitzunehmen.“

Mobilität bewegt auch die anderen Podiumsteilnehmer. „Wir produzieren mit riesigem Arbeits- und Ressourcenaufwand Millionen von Fahrzeugen, die dann den größten Teil des Tages stillstehen. Eigentlich handelt es sich um Stehzeuge“, so Arwed Schmidt in seinem Plädoyer für automatisierten Nahverkehr. Gilbert Hödl, Vorstands-vorsitzender von Tapkey, zeigte sich hinsichtlich der Einführungschancen für neue Technologien optimistisch: „Neuerungen sind größtenteils eine Gewöhnungsfrage. Wer den Nutzen einmal erlebt hat, liebt solche Dinge dann in der Regel.“

IEP: Vom Wärmeversorger zum breit aufgestellten kommunalen Dienstleister

„Auf die IEP kommen von verschiedenen Seiten neue Herausforderungen zu, die wir gerne annehmen und zum Vorteil der Pullacher entwickeln wollen“, so IEP-Chef Helmut Mangold. Im Zusammenhang mit der anstehenden Rekommunalisierung des Stromnetzes werde die IEP den Messstellenbetrieb übernehmen und zusammen mit dem künftigen Angebot eines eigenen Regionalstromproduktes und Smart Home Lösungen böten sich viele Synergien an Besonders freut uns die positive Resonanz und die große Unterstützung von Politik und Bürgern für unsere Initiativen.

Digitalisierung als Bildungsthema

Einen angenehmen Nebeneffekt haben die Zukunftspläne der IEP auch für Schüler des Pullach Otfried-Preußler-Gymnasiums. Im Rahmen des Programms business@school wird eine Gruppe Geschäftsszenarien für LoRa-Anwendungen untersuchen. Bei ihrer Projektarbeit werden die Schüler, die ebenfalls aufmerksam dem Kongress folgten, von der IEP gecoacht und präsentieren ihre Arbeit anschließend einer namhaften Unternehmensberatung.

Autor: Dr. Norbert Baumgärtner

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Der Ausstellungs- und Mitmachbereich war stetig frequentiert

 


Reges Interesse: Sebastian Westenthanner stellt den künftigen Pullacher Regionalstrom vor

 


Gast aus Berlin: MdB Dr. Anna Christmann

 


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